Das Coronavirus übernimmt die Kontrolle – und wir erleben den Kontrollverlust!

Das Coronavirus ist allgegenwärtig und hat die Kontrolle übernommen. Ganz unerwartet hat es sich angeschlichen und dann brutal zugeschlagen. Wir wissen nicht wer bereits infiziert ist und uns anstecken könnte. Das Coronavirus hat auch die Kontrolle über die Medienthemen übernommen und den Verstand der Menschen bereits infiziert. Was wir hier erleben ist ein Kontrollverlust auf (fast) allen Ebenen. Das bereitet Vielen Sorgen, das macht Stress, das macht Angst. Was hier so brutal klingt, ist reine Psychologie. Die Bedrohung ist real, doch wie gehen wir mental damit um? Zeit wieder die Kontrolle über unseren Geist zurückzuerlangen!

Die Psychologie in der Coronakrise

Der Berufsstand der Psychologie & Physiotherapie hat alle Hände voll zu tun. Aber nur fast. So dringend die psychologische Beratungen & Behandlungen inmitten der Coronakrise auch ist: Auch PsychologInnen sollen zuhause bleiben und Kontakt zu Menschen vermeiden. Wichtige psychologische Behandlungen bzw. Beratungen sollten in dieser Zeit jedoch nicht gestoppt werden, weshalb viele aktive PsychologInnen ihre Unterstützung weiterhin online (z.B. via Videokonferenz) anbieten.

Doch die Psychologie besteht nicht nur als psychologischen BehandlerInnen (klinische Psychologie) oder PsychotherapeutInnen. Das Feld der Psychologie ist wesentlich größer. So äußerten sich neben PsychologInnen aus dem Gesundheitssektor in den vergangenen Tagen zunehmend PsychologInnen aus unterschiedlichen Feldern wie der Wirtschaftspsychologie, Konsumentenverhaltensforschung oder der Arbeitspsychologie. Das ist wichtig. Denn trotz all der historisch anmutenden Änderungen die wir aktuell live miterleben, ist es nicht zwingend nötig in Panik zu verfallen. Das heißt nicht, dass wir nicht auf die Coronakrise reagieren sollen. Ich möchte damit nur ausdrücken, dass wir auch selbst einen Einfluss darauf haben, wie wir die Coronakrise mental bewältigen.

Aus der gefühlten Hilflosigkeit Kontrolle zurückgewinnen

Über das Katastrophisieren, Sorgen und Ängste

Unter Katastrophisieren versteht man vereinfacht gesagt „… aus einer Mücke einen Elefanten machen“. Die Coronakrise löst in uns viele Ängste. Teilweise so viele Ängste auf einmal, dass wir sie gar nicht mehr bewusst verarbeiten können. Panik macht sich breit. Dass wir das Virus und deren Ausbreitung nicht kontrollieren können, kann massiven Stress auslösen. Da wir die Lage selbst nicht beeinflussen können, führt dies dazu, dass wir die Lage schier endlos analysieren. Selbstantreibende Gedanken kreisen Tag und Nacht über das selbe Thema. Sorgen und Ängste machen sich breit. Der ausufernde 24/7-Medienkonsum verschärft dann noch die Sprirale. Ein kritischer Cocktail!

Die Ängste drehen sich um verschiedene Themen, z.B.

  • die eigene Gesundheit
  • die Gesundheit von Freunden und Angehörigen
  • die drohende Gefahr von Leben und Tod bei Freunden und Angehörigen
  • evtl. sogar eigene Todesängste
  • finanzielle Sorgen, z.B. keine Entgeltfortzahlung oder Kursstürze an den Börsen
  • Existenzängste, vor allem bei Selbstständigen und Unternehmen
  • Zukunftsängste im Allgemein („Wie geht es die nächsten Wochen und Monate weiter?“)

–> fallen dir noch weitere Angstthemen rund um den Coronavirus ein? Wenn ja, so schreib diese bitte in das Kommentarfeld.

Corona Virus - Kontrolle zurückgewinnen

Zeit wieder die Kontrolle zurückzugewinnen

Statt uns hilflos zu fühlen ist es wesentlich wieder die eigenen Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen. Dazu zählt auch jenes zu akzeptieren, was außerhalb unseres Einflussbereiches liegt.

Ja, wir können

den Virus Selbst nicht beeinflussen.

.
.. die damit verbundenen wirtschaftlichen Konsequenzen nicht stoppen.

… das Verhalten der Journalisten non-stop über das Coronavirus zu schreiben nicht verhindern.


… vieles nicht beeinflussen. Und das gilt es zunächst zu akzeptieren.

Konzentrieren wir uns lieber darauf, was wir beeinflussen können. Der bekannte Psychologe Alfred Bandura hat bereits vor einigen Jahrzehnten die Theorie der Selbstwirksamkeitsüberzeugung entwickelt. Die Selbstwirksamkeit ist die eigene Überzeugung, dass wir über die Fähigkeiten verfügen um bestimmte Aufgaben oder Herausforderungen zu bewältigen. Das Gefühl von Kontrolle verleiht uns auch psychologische Sicherheit.

Die Selbstwirksamkeit ist quasi ein Gegenspieler der Angst und gibt uns das Gefühl, die KONTROLLE über eine Situation zu haben. Umso wichtiger ist es, dass wir uns inmitten der Coronakrise uns NICHT darauf konzentrieren, was wir nicht beeinflussen können, sondern unsere Aufmerksamkeit dahin lenken, was in unserem Einflussbereich liegt!

Einfache Übung um die Coronakrise mental besser zu bewältigen

Als kleine, aber effizienten Übung zur mentalen Bewältigung der Coronakrise, befolge bitte folgende Schritte:

  1. Atme 3x tief durch!
  2. Mache dir eine Tasse Tee!
  3. Sag dir selbst, dass du dir für diese Übung nun wirklich Zeit und Raum nehmen möchtest!
  4. Nimm ein leeres Blatt Papier und einen Stift zur Hand.
  5. Teile das Blatt Papier mit einem Strich in 2 Spalten.
  6. Die erste Spalte benennst du „Kann ich nicht beeinflussen“
    (z.B. dass das Virus eine hohe Ansteckungsrate hat,
    dass sämtliche Medien rund um die Uhr über das Virus berichten,
    wirtschaftliche Konsequenzen
    oder dass eine Ausgangsbeschränkung gilt
    )
  7. Die zweite Spalte benennst du „Das kann ich beeinflussen“
    (z.B. maximal 1x täglich zeitlich begrenzt die Medien konsumieren,
    regelmäßig die Hände mit Seife waschen,
    1x 45 Minuten täglich YOGA- Übungen machen,
    ein gutes Buch lesen oder
    zuhause bleiben um niemanden anzustecken #flattenthecurve
    )
  8. Nimm dir wirklich Zeit für diese Übung!
  9. Du darfst die Liste natürlich auch zuhause aufhängen und jederzeit ergänzen!

„Denk daran, es war noch nie so einfach Leben zu retten wie heute.
Bleib einfach zuhause auf der Couch und machs dir gemütlich.“

(Oder du trainierst 2 Stunden täglich mit deinem Iron-Workout-Programm)

Weitere psychologische Hilfestellungen:

Informationsblatt des BÖP (Berufsverband für österreichische Psychologie) zu COVID-19:

COVID-19: Wie Sie häusliche Isolation und  Quarantäne gut überstehen (klicken für Download)

Helpline des BÖP: +43 1 504 8000

Psychologische Unterstützung finden: www.psychnet.at

Mario Schuster

Mario Schuster ist Arbeits- und Sportpsychologe sowie zertifizierter Mentaltrainer im Leistungssport. Zudem ist er ein praxiserfahrener Sportwissenschafter und hat am 1.Jänner 2017 das Unternehmen Mental Synergy gegründet. Mit diesem hat er sich zum Ziel gesetzt, das Training mentaler Kompetenzen in Sport und Wirtschaft zu etablieren.

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