Zwischen Panik und Bagatellisierung: Das ist die Zeit auf Experten zu hören!

Das Coronavirus kommt in seiner ersten Welle und hat bereits alle Geister infiziert. Seit Wochen steigen die Aufmerksamkeit und entsprechende Meldungen zum Cornonavirus exponentiell an. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass Neuigkeiten und Maßnahmen verkündet werden, welche vor Monaten noch für viele undenkbar waren. Viele hängen gespannt an diversen LIVE-Tickern in den Medien. Doch wie reagieren die Menschen auf diese Meldungen, Schocknachrichten und neuen Realität, welche bis vor kurzem als Science-Fiction galten? Sehr unterschiedlich. Die Einen bunkern sich panisch zuhause ein und kaufen die Supermarktregale leer – für den Fall der Fälle. Andere wiederum spielen die Situation herunter. Doch wer hat nun recht in diesem Informationschaos und wo finde ich Orientierung? Am besten bei jenen Experten, welche sich schon zeitlebens mit diesem Thema beschäftigen.

Dieser Beitrag hat nicht die Funktion über die Eigenschaften des Coronavirus zu berichten. Ein Appell: Vielmehr bezweckt dieser Beitrag das Bewusstsein dafür zu schärfen auf seriöse Quellen und Experten zu vertrauen, anstatt sich Quellen oder Fakenews zu bedienen, welche das eigene selbstkonstruierte Weltbild eher verstärken. Denn Orientierung ist etwas wesentliches um sich in dieser Pandemie zurechtzufinden und sich optimal zu verhalten.

Sind die Eindämmungsmaßnahmen gegen den Coronavirus gerechtfertigt?

Ob die Eindämmungsmaßnahmen wie z.B. Flugsperre, Grenzschutz, Schulschließungen oder Lokalsperren (wie z.B. in Italien) notwendig sind oder nicht, sollte man den Experten überlassen. Dazu zählen Virologen, Epidemiologen oder Mathematiker. Meiner persönlichen Meinung nach sind diese Maßnahmen insofern nachvollziehbar, da die Kapazitäten auf den Intensivstationen keinesfalls überlastet werden dürfen. Andernfalls hätten wir eine Kriegschriurgie wie in Italien, wo die Menschen wortwörtlich krepieren, da die Kapazitäten auf den Intensivstationen aufgrund der Vielzahl an Coronavirus-Fällen erschöpft sind. Das wollen wir ja nicht!

Die Frage ist, wie gehen die Menschen mit den Eindämmungsmaßnahmen und der Angst vor Ansteckung und schwerer Krankheit um?

Das Informationschaos

Das Interesse am Coronavirus ist verständlich. Immerhin handelt es sich hierbei um eine unbekannte und daher auch unerforschte Krankheit, welche sich mit unerwartet hoher Geschwindigkeit ausbreitet. Das macht Angst und Angst ist ansteckend! Und diese Angst wird auch dadurch verstärkt, dass Menschen am Coronavirus sterben.

Dies führt folgend dazu sich zum Thema zu informieren. Beiträge, Artikel und Youtubevideos sprießen seit Tagen wie die Schwammerl aus dem Boden. Es wird getwittert und gepostet. Viele positionieren sich nach dem Lesen einiger weniger Artikel oder eigenen Theorien als Experten in ihrem neuen Lieblingsthema. Informationen und Thesen werden aus dem Hut gezaubert, seriös verpackt und emotional kommuniziert. Neben Falschinformationen, ominösen Chatgroups machen auch quellenlose Kettenbriefe die Runde. Doch auch unseriöse Produktverkäufer und Dienstleister wittern ihre Chance und versprechen Heilung, Impfstoffe oder sogar einen Schutzzauber. Vor allem bei schweren Coronavirus-Krankheitsverläufen sollte generell auf die moderne Schulmedizin vertraut werden.

Panik & Hysterie

Die Angst vor dem Coronavirus

Angst hat uns evolutionär betrachtet das Leben in Gefahrensituationen gesichert. Doch Angst ist heute in vielen Fällen etwas psychisch konstruiertes, dessen Ausmaß von der subjektiven Bewertung einer Situation abhängt. Nun hängt es zum Einen von unserer Medienkompetenz ab, wie sehr wir Informationen und vor allem auch Falschinformationen hinterfragen und einordnen. Zudem ist es persönlichkeitsabhängig wie was die Bewertung einer Information oder Gesamtbildes in uns auslöst.

Man hat nur Angst, wenn man mit sich selber nicht einig ist.
Hermann Hesse (deutscher Schriftsteller)

Wenn wir von den exponentiellen Kurvenverläufen der Infizierten und Coronatoten sowie auch Berichte über Hamsterkäufe erfahren, so steigt auch die Angst stark an und kann in Panik und Hysterie münden. Wenn dann die WHO offizielle eine Pandemie ausruft, so ist es auch verständlich, dass die Menschen die Lage als „Ernst“ bewerten. Entscheidungen werden nicht mehr rational getroffen oder unterliegen kognitiven Verzerrungen (sog. cognitive bias). Wenn wir nun selbst auch im Supermarkt die leeren Regale und massenweise überquellende Einkaufswagen oder Menschen die um das Klopapier streiten live miterleben, könnte diese Panik auch auf uns ansteckend wirken.

Fehlinformation und Chaos führen zu Unsicherheit

Die Unklarheit über die Zukunft und Versorgungssicherheit führt zu wilden Thesen und löst dann noch weitere Angst und Panik aus, wodurch Entscheidungen noch emotionaler und weniger rational getroffen werden. Es verhält sich wie ein Teufelskreis, welcher immer schwieriger zu stoppen ist. Doch diese Panik führt zu mehr Problemen als notwendig. So könnte es zu Engpässen in der Versorgung kommen (quasi: 1% der Menschheit besitzt 90% des Klopapiers) oder zu Diebstahl von Desinfektionsmittel und Schutzmasken aus der Kinderabteilung in einem Krankenhaus kommen. Das ist auch bereits in Berlin passiert. Daher: Bitte kaufen Sie den anderen Leuten nicht alles weg. Denn nur so, ist eine gute Planbarkeit der Versorgungssicherheit gewährleistet.

Die Bagatellisierer

Das Kleinreden und Relativieren der Bedrohung

Neben den Panikern und Hysterikern gibt es auch noch jene, welche das ganze Thema bagatellisieren und sämtliche Maßnahmen als großen Fehler oder Verschwörung abtun. Mit bagatellisieren ist das Kleinreden einer Sache oder Handlung gemeint. Damit geht häufig auch ein faktenbefreites umdeuten der Situation ein. Es ist ja nicht so schlimm und die Leute steigern sich da ja nur rein!

So wird von manchen Gruppen auch der Coronavirus heruntergespielt und als relativ „harmlos“ tituliert. Dazu werden Vergleiche mit dem üblichen Grippevirus gezogen und Unverständnis über die intensive Berichterstattung und das plötzliche Interesse für Viren auf empörte Weise kommuniziert.

Verschwörungen beim Coronavirus

Zu den Thesen der Bagatellisierer reichen große Verschwörungen der Pharmaindustrie, welche Milliarden mit Impfstoffen (welche ja noch gar nicht entwickelt sind) verdienen möchten oder das die Amis mithilfe der CIA den Chinesen schaden wollten. Natürlich sind derartige Thesen mit Vorsicht zu genießen, da diese im Regelfall auch ohne Fakten behauptet werden. Der menschliche Geist ist schon zu sehr viel Fantasie fähig. Dafür reichen häufig schon ein paar Infos, welche zufällig zusammengebaut werden.

Auch dies zeigt wieder, wie wichtig es ist sich an Experten oder seriöse Plattformen zu wenden, anstatt sich sensationslüstern den „alternativen Fakten“ zu widmen. Für manche ist die Coronapandemie offensichtlich noch nicht genug Science-Fiction-Horror-Thriller. Daher habe ich ein paar Punkte als Hilfestellung aufgelistet, welchen Informationen weniger und welchen mehr vertraut werden sollte:

Was ist keine zuverlässige Quelle?

  • Donald Trump
  • Wissenschaftsleugner im Allgemeinen
  • Auf Youtube gibt es viele selbsternannte Experten ohne entsprechende Hintergrundqualifikation gibt es Unmengen. So toll diese auch rhetorisch begabt sein mögen und vielleicht auch sehr fesch sind, Selbstpräsentation ist keine wissenschaftliche Kompetenz.
  • Informationen und Kettenbriefe. Häufig werden diese sogar ohne Quelle angeführt.
  • Internetseiten oder Werbungen, welche Heilmittel oder Impfstoffe gegen den Coronavirus anbieten. Leider gibt es Menschen und kriminelle Vereinigungen, welche Not- und Krisensituationen für monetäre Zwecke ausnutzen.
  • Reine Boulevardblätter zählen bekannterweise nicht zwingend zu den Qualitätsmedien. Diese erinnern häufig eher an Kampfrhethorik (Wörter mit starker emotionaler Ladung) und emotionalisieren eher, statt zu informieren.

Woher bekomme ich zuverlässige Informationen?

  • Z.B. in Beiträgen von und mit dem Virologen Christian Drosten (Charité Berlin). Ihr könnt ihm z.B. auf Twitter folgen oder seinem Podcast zuhören. Auch Christoph Wenisch, Leiter der 4. Medizinischen Abteilung für Infektiologie und Tropenmedizin in Wien ist Experte der ab und an die Bevölkerung informiert und medizinische Abläufe zur Virusbehandlung verständlich und sympathisch erklärt.
  • Von Mathematikern, welche eine Vielzahl an Faktoren in mathematische Modelle packen und so Kurvenverläufe unter unterschiedlichen Bedingungen (z.B. mit oder ohne Eindämmungsmaßnahmen) errechnen, und dadurch auch (exponentielle) Kurvenverläufe für unterschiedliche Szenarien berechnen können. Diese Prognosen sind auch wichtig um Entscheidungen für entsprechende Maßnahmen zu treffen, so radikal sie auf den ersten Blick auf erscheinen mögen. So hat auch die TU Wien bereits einen epidemiologischen Rechner für Österreich entwickelt.
  • Seriöse Nachrichtenseiten, welche nicht nur eine Redaktion haben, sondern auch hohe journalistische Kriterien. Ich möchte hier jedoch keine spezielle Zeitung hervorheben.
  • Staatliche Einrichtungen wie z.B. das Gesundheitsministerium haben ein hohes Interesse an sachlicher Aufklärung und Information.
  • Service-Hotline der Ages: 0800 555 621

Weitere Informationen:

Mario Schuster

Mario Schuster ist Arbeits- und Sportpsychologe sowie zertifizierter Mentaltrainer im Leistungssport. Zudem ist er ein praxiserfahrener Sportwissenschafter und hat am 1.Jänner 2017 das Unternehmen Mental Synergy gegründet. Mit diesem hat er sich zum Ziel gesetzt, das Training mentaler Kompetenzen in Sport und Wirtschaft zu etablieren.

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