Vier Wege zur Stärkung qualitätsvoller Beziehungen

In diesem Beitrag gehe ich auf das ein wesentliches Tool der Positiven Psychologie frei nach der PP-Pionierin Barbara Frederickson ein. Hierzu erörtere ich ihre vier Wegen zur Stärkung qualitativer Beziehungen und runde es mit konkreten Beispielen sowie auch den einen oder anderen Tipp ab. Vor allem in Zeiten in denen das Miteinander ein wenig verloren geht, hilft es das Miteinander wieder zu stärken. Denn ich mag Menschen! Und du?

Positive Psychologie zur Stärkung von Beziehungen

Ein Pionier der Positiven Psychologie ist zweifelsohne der Psychologe Martin Seligman. In seinem in Grundmodell “PERMA” betont er auch die bedeutende Rolle gelungener Beziehungen für Glück und Wohlbefinden im Leben. Es kommt eben nicht darauf an wieviele Menschen man kennt oder wieviele Freude auf Facebook jemand hat, sondern vielmehr kommt es auf die Qualität und die Innigkeit von Beziehungen an.

Eine ehemalige Studentin von Martin Seligman ist die US-Psychologin Barbara Frederickson. Diese forscht mitunter seit über 20 Jahren in den Forschungsfeldern der Resilienz und der Positiven Psychologie. Mittlerweile ist sie mehr als eine ehemalige Studentin und hat bereits ihre eigene Forschungslinie gezogen und die Positive Psychologie als Wissenschaft bedeutsam mitgeprägt. Mitunter hat sie dabei auch praktische psychologische Tools entwickelt um die persönliche Positivität im Leben zu steigern. Eines dieser Tools geht den Weg über die Stärkung “inniger zwischenmenschlicher Beziehungen“, welche ich in diesem Beitrag zusammenfasse.

Die vier Wege zur Stärkung qualitätsvoller Beziehungen

Bei den Wegen zur Stärkung qualitätsvoller und inniger Beziehungen geht es vor allem auch darum dort Beziehungen zu stärken, wo noch keine innigen Beziehungen vorhanden sind. Es geht also schon auch darum neue positive Verbindungen zu Menschen, KollegInnen  oder Bekanntschaften zu schaffen. Barbara Fredrickson empfiehlt auch (2011, S. 242) dies als eine Art innere Grundhaltung zu kultivieren um Menschen immerfort über diese vier positiven Wege zu begegnen.

Weg 1: Respektvolle Verbindlichkeit

Es geht nicht nur darum Respekt einzufordern, sondern zunächst auch Respekt zu geben. In meiner fast täglichen Arbeit mit Jugendlichen bemerke ich immer wieder, dass die Jugendlichen Respekt von Anderen einfordern. Auf dieser Ebene begegne ich Ihnen auch stets mit Respekt auf Augenhöhe und thematisiere auch das Thema Respekt. In der Reflexion hebe ich den Wert des Respekts hoch und motiviere die Jugendlich in dieser Frage Vorbild zu sein.

Wichtig ist auch, das Gegenüber ernstzunehmen, zuzuhören und auch positiv zu begegnen. Ein Fach-Kollege von mir betonte erst kürzlich wie wichtig es ist auch ein positives Menschenbild aufzubauen und empfiehlt auch die Grundhaltung “Ich mag Menschen”. Ich denke das ist ein hilfreicher Ansatz. Denn vor allem in Organisationen in welchen sich schädlicher Zynismus (=Burnoutfaktor) wie ein Virus auszubreiten scheint, wirkt es eher gegenteilig. Der herrschende O-Ton ist hier häufig “Die sind alle so” um es noch sanft auszudrücken.

Also verinnerliche: “Ich mag Menschen

Weg 2: Unterstützung Anderer

Als ich mich Anfang 2017 selbstständig gemacht habe, habe ich auch sehr viele Menschen um Unterstützung gebeten. Manche haben mich wirklich großartig unterstützt. Danke an dieser Stelle! Doch heute weiß ich, dass es zwar wichtig ist auch mal Hilfe zu suchen, doch aus heutiger Sicht erscheint es mir noch bedeutsamer zuerst Andere zu unterstützen und sich ein starkes Netzwerk aufzubauen.

Ein Credo in erfolgreichen Netzwerken lautet auch nicht möglichst viel zu verkaufen, sondern zunächst zu fragen “Wie kann ich dich unterstützen?“. Diese Grundhaltung fühlt sich nicht nur besser an, sondern stärkt auch die Qualität deiner Kontakte. Es geht auch nicht darum ein Nullsummenspiel daraus zu basteln, sondern das Unterstützen deiner KollegInnen und Freunde als eine Grundhaltung aufzubauen (ohne ein selbstaufopferndes Helfersyndrom zu kreieren). Meist bleibt es Anderen auch in Erinnerung, wenn du Ihnen in der Vergangenheit geholfen hast. Und früher oder später kommt auch Vieles im Leben zurück, aber nicht wenn du ständig wie ein Keiler rüberkommst.

Praxistipp: Frag deine Mitmenschen oder zukünftigen Begegnungen mit Interesse wie es Ihnen so geht (ernsthaft, nicht nur als Floskel) und was sie gerade beschäftigt. Versuche Ihnen bei Ihrem Thema zu helfen. Allerdings nicht aus der Erwartung einer Gegenleistung heraus, sondern aus einer inneren Überzeugung etwas Gutes für dein reales soziales Netzwerk zu tun.

Weg 3: Vertrauen in Beziehungen

Zynische Menschen und “gebrannte Kinder” misstrauen nicht nur Ihrer Organisation, sondern häufig auch nahestehenden Menschen. Eine Einteilung in Gut und Böse wird zum Usus. Dies hat allerdings in der Regel konkrete Ursachen, welche weit in die Kindheit zurückgehen können oder erst in den vergangenen Jahren in dysfunktionalen Lebenswelten entstanden sind. Vor allem das Misstrauen in Autoritäten kann einen großen Schaden und äußerst irrationale Denkmuster bis hin zu verschwörungstheoretischen Anfälligkeiten bewirken. Dieses Misstrauen in Autoritäten betrifft hierzu nicht nur Eltern und Lehrer, sondern auch Regierungen und öffentliche Institutionen. In einer solchen Phase nützt es leider auch wenig, wenn die Wissenschaftler es noch so ehrlich meinen.

In einer solchen Phase ist es auch von Bedeutung wieder herauszukommen und Vertrauen in die Beziehung zu den Mitmenschen zurückzugewinnen. Hilf Menschen welche Vertrauen verloren haben wieder zu vertrauen. Wenn schon nicht in das System, dann zumindest an dich und sich selbst. Beginn bei dir selbst und stärke deine Beziehungen im Innen. Vertraue dir selbst und gib die Erfahrung des Vertrauens an andere weiter.

Wie schaut das in der Praxis aus? Es beginnt schon bei Kleinigkeiten. Kleinigkeiten, dass man sich auf dich verlassen kann. Du sagst keine Verabredungen ab und du rufst verlässlich zurück. Dein Wort hat Gewicht und auf deine Handschlagqualität ist Verlass. Und wenn du mal im Unrecht bist, dann gibst du es auch offen zu. Authentisch eben.

Mein Credo hierzu lautet: “Der Fortschritt liegt im Erkennen des eigenen Irrtums.”

Weg 4: Das Spiel

Das Leben ist kein Ponyhof. Na gut, das würde der österreichische Kabarettist Rudi Fußi vielleicht anders sehen. Oder wie eine Freundin von mir zu pflegen sagt: “Nimm das Leben nicht zu ernst, denn du kommst eh nicht lebend raus!”.

Nicht nur Kinder brauchen es, es ist auch in der Tierwelt zu beobachten: Das Spiel. Doch ab wann wird man zu alt für das Spiel? Niemals sage ich. as Spiel wird sogar in der Wirtschaft und im Sektor der Erwachsenenbildung häufig als bevorzugte Methode eingesetzt. Der Anglizismus dazu nennt sich “Gamification”. Es ist nicht nur eine hervorragende lernpsychologische Methode, sondern es stärkt auch zwischenmenschliche Beziehungen. Egal ob es um ein Basketball 1:1 im Käfig, eine Runde Fifa Soccer oder Mensch ärgere dich nicht ist. Das Spiel schafft soziale Interaktion und Emotionen wie Spaß und Freude. Spiele können süchtig machen. Und auch wenn viele Eltern das Spiel kritisieren aus der Angst heraus, dass Spiele faul machen, so lässt sich ein wichtiger Punkt nicht leugnen: Durch das Spiel entstehen Freundschaftsnetzwerke und qualitätsvolle Beziehungen, welche weit über das Spiel hinausgehen können. Denn letztendlich wird nicht nur gespielt, sondern das Miteinander wird auch auf andere Lebensbereiche ausgedehnt.

Verwendete Literatur:

Frederickson, B.I. (2011). Die Macht der guten Gefühle. Wie eine positive Haltung ihr Leben dauerhaft verändert. Frankfurt: Campus

Mario Schuster

Mario Schuster ist Arbeits- und Sportpsychologe sowie zertifizierter Mentaltrainer im Leistungssport. Zudem ist er ein praxiserfahrener Sportwissenschafter und hat am 1.Jänner 2017 das Unternehmen Mental Synergy gegründet. Mit diesem hat er sich zum Ziel gesetzt, das Training mentaler Kompetenzen in Sport und Wirtschaft zu etablieren.

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