Kurzinterview zur Identifikation des Fans

Erst kürzlich wurde ich von einem Schüler im Rahmen seiner vorwissenschaftlichen Arbeit zu einem meiner Artikel aus dem Jahr 2016 interviewt. Mit seiner Erlaubnis veröffentliche ich auch das Transkript dieses Interviews, in welchem er spezifische Fragen für seine Abschlussarbeit vorbereitet hat. Ich möchte dies auch dahingehend veröffentlichen, da ich denke, dass die Antworten nicht nur für Interessierte, sondern auch für Sportmanager oder Sporttrainer von Interesse sein könnten. Das Interview streift auch stark am Thema der Identfikation des Fans zum Klub, Team oder einzelnen AthletInnen.

Fragen und Antwort zum Interview

Frage: In einem Beitrag „Was hat der Sportfan vom FAN-SEIN?“ von Ihnen schrieben Sie über das Gefühl der Zugehörigkeit und dabei über gefüllte Stadien. Als wie wichtig sehen Sie diesen Punkt dabei an, Fan zu werden, vor Allem bei einem Blick auf introvertierte Fans?

Mario Schuster: “In meinem Artikel aus dem Jahr 2016 ging es vor allem um die positiven Emotionen bzw. persönlichen Benefit bzgl. dem Umstand ein Fan zu sein. Der Artikel war quasi eine Zusammenfassung aus einer im Beitrag zitierten Studie zum PERMA-Modell der positiven Psychologie. Über die Persönlichkeitsmerkmale Extrovertiertheit/Introvertiertheit kann ich dazu keine seriöse Aussage treffen, dazu müsste ich selbst nachrecherchieren. Doch ad hoc spielen diese Persönlichkeitsmerkmale eher eine untergeordnete Rolle, da es neben den lauten auch die stillen Fans gibt.”

Frage: Sie sprachen auch von den Fans, die während schwierigen Zeiten ihr Fanobjekt unterstützen und dann eine intensivere Genugtuung bei Erfolg verspüren. Was bewegt die Fans allerdings dazu, auch in diesen schwierigen Zeiten Fans zu bleiben?

Mario Schuster: “Ob jemand auch in schwierigen Zeiten, also Zeiten des Misserfolgs, weiterhin ihre Mannschaft offen unterstützen, hängt auch vom Grad der Identifikation mit der Mannschaft ab. Womit identifiziere ich mich? Identifiziere ich mich stets mit den erfolgreichen Teams, so wäre ich ein “Glory Hunter”, was dem Fan auch Frustration erspart. Identifiziere ich mich allerdings mit speziellen Werten einer Mannschaft, z.B. das soziale Engagement des Klubs, Familienfreundlichkeit oder einem starken Fokus auf gelungene Jugendarbeit, so stehen die Chancen gut, dass ich auch in schwierigen Zeiten weiterhin den Klub unterstütze. Ich bin dann ja nicht abhängig vom konkreten Erfolg ob ich weiterhin Fan bleibe. Selbstverständlich freue ich mich, wenn der Klub dann doch erfolgreich ist. Dahingehend wären Klubs beraten, ihren Markenkern nicht rein auf Erfolg, sondern z.B. “der Nachwuchs steht bei uns an erster Stelle” auszurichten.”

Frage: Des Weiteren wäre für mich interessant, was nach ihrer Meinung die Hauptmerkmale von Sportfans allgemein sind? Können Sie auch konkrete Unterschiede zwischen Sportfans und Fans anderer Interessen, beispielsweise Musikfans ausmachen, wenn man sich dabei etwa die positiven Emotionen oder das Zugehörigkeitsgefühl anschaut?

Mario Schuster: “Vor allem Identifikation. Identifikation mit dem Sport, einem Team oder einem speziellen Turnier (z.B. Erzbergrodeo oder Ironman Hawaii). Doch es können auch einzelne AthletInnen sein, welche die Identifikation schaffen. Identifikation entsteht z.B. durch Vorbildwirkung. In den 90er Jahren gab es z.B. einen NBA-Spieler, welcher gerade mal 1,60m groß war und dennoch ein Schlüsselspieler war. Solche Spieler können inspirieren und Identifikation schaffen. Zu MusikerInnen kann ich leider nichts sagen, ich bin ja auch Sportpsychologe und kein Musikpsychologe. Doch auch hier spielt Identifikation sicher eine tragende Rolle.”

Frage: In dem Zusammenhang stellt sich mir auch die Frage, inwieweit persönliche Beweggründe wie Regionalität des Fanobjekts oder das eigene Ausüben der Sportart eine Rolle spielen? Aus einer eigens durchgeführten Umfrage ging hervor, dass vor Allem Bezugspersonen wie die Familie oder Freunde eine große Rolle spielen, aber auch das von mir angesprochene Ausüben der selben Sportart wie das Fanobjekt als wichtiger Grunde genannt wurde.

Mario Schuster: “Wenn ich z.B. in einem kleinen Dorf wohne und ich dieses als meine Heimat betrachte, dann stehen die Chancen gut, dass ich mich auch mit dem Team identifiziere. Vor allem im Kindes- und Jugendalter ist es dahingehend sehr wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen selbst positive Erfahrungen mit einem Klub machen. Dieser kann über eigene sportliche Aktivität oder spezielle Erfolge des Klubs passieren. Da reicht es übrigens auch schon, wenn ein Familienmitglied Teil eines (erfolgreichen) Teams ist um hier in der Rolle des Fans mitzufiebern. Einen großen Beitrag zur aktiven Sportausübung im Verein spielen übrigens neben den Eltern auch die sogenannten Peer Groups. Also wenn meine besten Freunde in einem Klub spielen, stehen die Chancen gut, dass mich diese mal mitnehmen und motivieren dabei zu sein. Die Zugehörigkeit zum Team schafft folgend auch die Identifikation zum Klub.”

Der Artikel aus dem Jahr 2016 zum Thema Fan-Sein

Mario Schuster

Mario Schuster ist Arbeits- und Sportpsychologe sowie zertifizierter Mentaltrainer im Leistungssport. Zudem ist er ein praxiserfahrener Sportwissenschafter und hat am 1.Jänner 2017 das Unternehmen Mental Synergy gegründet. Mit diesem hat er sich zum Ziel gesetzt, das Training mentaler Kompetenzen in Sport und Wirtschaft zu etablieren.

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