Selbstwirksamkeit: „Ich wirke, also bin ich!“

Hast du dein Schicksal selbst in der Hand oder wurden dir von Geburt an die Grenzen des Möglichen anerzogen? Diese Frage stellen sich Wissenschaftler, Philosophen oder Willensforscher schon eine gefühlte Ewigkeit. Doch ich möchte nicht darüber schreiben, ob unser Leben vorgezeichnet (Stichwort: „göttlicher Plan“) ist oder nicht. Vielmehr möchte ich darüber schreiben, dass nicht alles im Leben „in Stein gemeißelt“ ist, sondern vieles in unserem Leben Resultat unserer mentalen Einstellung zu sich selbst sind. Und dazu zählt vor allem auch deine Selbstwirksamkeit.

 

Vom Wunsch der eigenen Realität

Klar, jeder hat in seinem Leben seine Bedürfnisse, Ziele, Träume und Wünsche. Manche von ihnen werden erfüllt, manche nicht. Manche Menschen glauben trotz Rückschlägen an deren Erfüllung, Andere wiederum resignieren und glauben das sei in diesem Leben nicht möglich. Da müsste schon ein „Wunder“ oder „Gott“ nachhelfen – oder du glaubst daran, dass es das Schicksal „gut mit dir meint“ und alles gut wird. Oder du glaubst an dich selbst und deine Fähigkeiten. Du glaubst daran, dass du dein Leben selbst in der Hand hast.

 

Berühmter Bibel-Mann mit Steintafeln
Nicht alles im Leben ist in Stein gemeißelt!

 

  • Doch wo ziehen wir die Grenzen unserer Wirklichkeit?
  • Wer sagt dir was möglich ist und was nicht?
  • Was kannst du erreichen im Leben?
  • Wie wirke ich auf der Welt?

 

Die Krux mit dem Rauchen aufhören

Lange Zeit gab es in der Medizin, vor allem in der klinischen Psychologie Modelle, welche als Erklärungsmodell für das Rauchen aufhören dienten. Relevanter Teil dieser Modelle war vor allem die Annahme, dass Fakten und Informationen zum gesundheitlichen Risiko des Rauchens (bis zum Tod), ausschlaggebend dafür seien, dass Menschen mit dem Rauchen sofort aufhören würden. Immerhin tendiert der Mensch ja auch zum Leben und gefährdet ja nicht von Natur aus die eigene Gesundheit, indem er die Entwicklung von Lungenkrebs, COPD oder Schlimmeres (z.B. Beinamputation) durch regelmäßiges Rauchen verstärkt. Dieser Auffassung zufolge, sollte man meinen, dass die grauslichen Abschreckbilder auf den Zigarettenpackungen Grund genug seien um mit dem Rauchen aufzuhören.

Denkste!

Knochengesicht
Keine Selbstwirksamkeit: Rauchen bis in den Tod!

Obwohl die Gefahren und massiven gesundheitlichen Einschränkungen (z.B. Loch im Hals) durch das Rauchen den Rauchern und Raucherinnen durchaus bewusst sind, rauchen die Rauchenden weiter. Und häufig hat dies wenig mit Selbstbestimmtheit zu tun (wie es in der jüngeren Vergangenheit politisch argumentiert wurde), dass die Raucher und Raucherinnen weiterrauchen. Viel eher wollen die rauchenden Menschen dann ja aufhören zu rauchen, aber sie schaffen es einfach nicht. Und in vielen Fällen probieren sie es auch gar nicht, auch wenn sie wissen, dass sie in wenigen Jahren oder Wochen Lungenkrebs bekommen werden und vielleicht sterben. Es besteht also kein Mangel an Information, sondern ein Mangel an Selbstwirksamkeit.

Aktuellere gesundheitspsychologische Modelle (HAPA-Modell) ergänzten alte Anti-Raucher-Verhaltens-Modelle mit der Komponente der Selbstwirksamkeit. Voila! Es hat sich gezeigt, dass eine psychologisch orientierte Anti-Raucherbehandlung wirksamer ist, als eine reine Informationsschock-Kampagne. Wer also nicht glaubt das Rauchen beenden zu können, wird es also erst gar nicht versuchen. Es braucht Selbstwirksamkeit!

 

Selbstwirksamkeit: Sei überzeugt, dass du es schaffst!

Sobald du eine Veränderung der IST-Situation in deinem Leben willst, stehst du vor einer Herausforderung. Ob du die Herausforderung annimmst, hängt im Allgemeinen davon ab, ob du auch das Vertrauen hast, diese Herausforderung zu bewältigen. Wenn dein Vertrauen an dich selbst und deine eigenen Fähigkeiten zu gering ist, wirst du in der Regel eher dazu neigen, die Herausforderung abzulehnen und den derzeitigen Zustand zu akzeptieren – zu resignieren und das Schicksal anzunehmen. Doch im günstigeren Fall hast du das Vertrauen in dich selbst, das SELBST-VER-TRAUEN.

Neben dem Begriff Selbstvertrauen gibt es noch das Selbstbewusstsein, die Selbstsicherheit usw. Was du brauchst um eine bevorstehende Aufgabe mit Vertrauen anzunehmen, ist die Selbstwirksamkeit. Also dem eigenen Vertrauen, dass die eigenen Handlungen wirksam sind und auch etwas verändern können.

 

Wirke in dir und anderen – sei WIRKsam – sei SELBSTWIRKSAM

Der bedeutende kanadische Psychologe Alfred Bandura hat unter anderem das Konzept der „Selbstwirksamkeit“ entwickelt. Die Selbstwirksamkeit ist die eigene Überzeugung, jene Fähigkeiten zu besitzen, um eine Aufgabe bzw. Situation positiv zu bewältigen. Wenn diese Überzeugung hoch ausgeprägt ist, führt sie auch zu einer höheren Motivation und resultiert auch in konkrete Handlungen und Leistungen.

Die Selbstwirksamkeit ist also das Vertrauen, dass du in der Welt wirken kannst. Bei dir selbst, bei anderen Menschen und Lebewesen, bei Dingen oder bevorstehenden Aufgaben. Ein einfaches Beispiel um Selbstwirksamkeit zu erfassen ist:

Wenn du eine Pflanze zuhause vernachlässigst wird sie früher oder später sterben. Doch wenn du sie pflegst und regelmäßig mit Wasser gießt, so wie es die Pflanze braucht, dann wird sie wachsen und gedeihen. Du machst den Unterschied aus – du bewirkst, dass die Pflanze überlebt. Du bist wirksam – SELBSTWIRKSAM.

Selbstwirksamkeit Pflanze
Hast du dein Leben in der Hand?

 

Übrigens: Die Selbstwirksamkeit ist eine wesentliche Komponente der Willenskraft. Willst du also deine Willenskraft stärken, so trainiere zunächst deine Selbstwirskamkeit! 😀

 

Grenzen der Selbstwirksamkeit

So bedeutsam deine Selbstwirksamkeit auch ist, um auch schwierige Herausforderungen positiv zu bewältigen, so ist auch eine realistische Selbsterkenntnis über deine Fähigkeiten bedeutsam. Denn irgendwann sollten die Ergebnisse der eigenen Überzeugungen auch tatsächlich eintreten. Du kannst noch so selbstwirksam sein, doch letztendlich sollte dein Ziel zumindest realistisch bzw. theoretisch machbar sein. Wenn deine Zielsetzung und dein Bild deiner eigenen Fähigkeiten auch unrealistisch hoch sind, dann besteht die Gefahr zur Überheblichkeit. Dies führt in der Regel tendenziell zum Scheitern und zur Frustration. Deshalb ist es auch wichtig, trotz all deiner Fähigkeiten und Kompetenzen auch realistische Ziele zu setzen. Doch wo die Grenzen des Möglichen liegen, das ist eine andere Geschichte. Vielleicht bist es ja du, der das bisher nicht für Möglich gehaltene schafft, eben weil du an deine Sache glaubst.

 

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Weiterführende Quellen:

Bandura, A. (1989). Human agency in social cognitive theory. American Psychologist, 44(9), 1175-1184.

Bandura, A. (1997). Self-efficacy: The exercise of control. New York: W.H. Freeman.

Schwarzer, R. (2004). Psychologie des Gesundheitsverhaltens: Einführung in die Gesundheitspsychologie (3., überarbeitete Auflage.). Göttingen.

 

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Mario Schuster

Mario Schuster ist Arbeits- und Sportpsychologe sowie zertifizierter Mentaltrainer im Leistungssport. Zudem ist er ein praxiserfahrener Sportwissenschafter und hat am 1.Jänner 2017 das Unternehmen Mental Synergy gegründet. Mit diesem hat er sich zum Ziel gesetzt, das Training mentaler Kompetenzen in Sport und Wirtschaft zu etablieren.

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