Neu an der Uni? Diese fünf psychologischen Prinzipien solltest du als Uni-Neuling beachten!

Die Ferien sind vorbei und wieder geht die Uni (oder FH) los. Die Spannung steigt und vor allem wenn du Unineuling bist, ist vieles für dich Neuland. Die Vorfreude auf neue Freundschaften und hochspannende wissenschaftliche Themen sind dein ultimativer Motivationsdünger. Doch bei aller Euphorie warten auch neue Herausforderungen auf dich – Prüfungsangst, Zukunftssorgen oder finanzielle Engpässe sind nur einige von vielen Stolpersteinen. Das habe ich bereits hinter mir, weshalb ich mich entschieden habe, meine wertvollsten akademischen Erfahrungen gepaart mit psychologischen Erkenntnissen in 3 wertvollen Tipps zusammenzufassen.

Was viele an der Uni (oder FH) besonders freut ist das Ende der Anwesenheitskontrollen und lehrerhaften Abprüfens in Fächern die du dir niemals ausgesucht hat. Davon ausgehend, dass du die „Qual der Wahl“-Phase was du nun studieren möchtest, genauso wie die (falls vorhandene) Aufnahmeprüfung bestanden hast, hast du nun die tolle Möglichkeit, das zu studieren was dich wirklich interessiert! Und das Beste daran ist, niemand beschwert sich wenn du mal die Vorlesung sausen lässt oder mal ein Semester eine ruhige Kugel schiebst. Eine tolle Vorstellung, oder?

Doch wenn du in unserer Welt der Herausforderungen nicht nur in Faulheit oder Selbstmitleid versinken möchtest, dann beachte folgende 3 Tipps, welche dich auch in deiner ganzen Unikarriere (oder FH) begleiten werden:

 

1. Finde deine Begeisterung!

Space Shuttle als Symbol der Begeisterung.Mein wertvollster Tipp für dich ist: Wähle ein Studienfach das dich begeistert, einen Nebenjob der dir Spaß macht und Hobbies, welche dich inspirieren. Dem bekannten Neurobiologen Gerald Hüther zufolge ist die Begeisterung nicht nur ein Top-Motivationsdünger [1], sondern auch eine wichtige Voraussetzung um zu Lernendes wie einen Schwamm aufzusaugen. Die Worte meines alten HTL-Professors in seiner letzten Rede vor unserer Matura vor über zehn Jahren an uns höre und sehe ich heute noch: „Vergesst was die Erwachsenen sagen, welches Studium für euch das richtige sei. Studiert nicht JUS, Wirtschaft oder Medizin, nur weil ihr dann angeblich viel verdienen werdet! Wenn ihr studiert, dann macht was euch begeistert. Denn wenn ihr eurer Leidenschaft folgt, dann werdet ihr auch bereit sein Energie reinzustecken – und dann werdet ihr auch gut in dem was ihr tut – und dann kommt der Erfolg von selbst.“

 

2. Diszipliniere dich selbst!Bananeneis

Was bei vielen Menschen scheinbar aus der Mode gekommen ist, offenbart sich immer wieder als entscheidender Erfolgsfaktor. Auch wenn Selbstdisziplin nicht immer als „cool“ gilt, so ist diese ein Garant dafür, dass du dir nicht nur Ziele setzt, sondern diese auch langfristig erreichst! Dies ist auch kein populäres Gelaber, sondern ist wissenschaftlich fundiert. Der austro-amerikanische Psychologe Walter Mischel konnte dies auch bereits vor Jahrzehnten im „Marshmallow-Experiment“ [2] zeigen. In diesem Test konnte er im Experiment mit Kleinkindern nachweisen, dass die Fähigkeit zur Selbstdisziplin (Selbstregulation) die zentrale Voraussetzung für einen „Belohnungsaufschub“ darstellt. Aus persönlichem Interesse hat Walter Mischel ein bis zwei Jahrzehnte später untersucht, wie sich der schulische, universitäre, berufliche und private Erfolg bei den damals noch jungen StudienteilnehmerInnen entwickelt hat.

HEUREKA! Es hat sich zu Mischel´s Freude gezeigt, dass jene Kinder, die damals bereit waren, ein paar Minuten länger auf die Süßigkeiten zu warten (um dann auch mehr davon zu erhalten), auch schulisch, universitär, beruflich und privat wesentlich erfolgreicher wurden, als jene StudienteilnehmerInnen, welche die „süße Belohnung“ sofort wollten.

 

3. Finde deinen FLOW!

Kletterfoto FlowDamit meine ich nicht den Beginn einer großen Liebesgeschichte! 😉 Damit meine ich, dass du deine Ziele Step-by-Step so setzt, dass du an deinen Herausforderungen auch wachsen kannst. Der unaussprechliche (!) Psychologe Csikszentmihalyi hat den Begriff des FLOWs [3] konzipiert. Den FLOW kannst du nicht nur beim Klettern oder anderen Sportarten erfahren, sondern bei sämtlichen Herausforderungen.

Wer bei der Bewältigung einer Aufgabe im FLOW ist, vergisst nicht nur die Welt um sich herum, sondern ist auch in der Lage eine schwierige Aufgabe hochkonzentriert zu bewältigen und daran zu wachsen. Diese FLOW-Momente kannst du nicht nur bei sportlichen, sondern auch bei universitären Prüfungsherausforderungen erfahren. Besonders bedeutsam ist dabei, dass du deine Ziele nicht zu niedrig und nicht zu hoch setzt. Also genau so, dass du „bei der Sache bleiben“ musst, um dein „nächstes Level“ zu erreichen.

 

4. ProkrastinationTermin im Terminkalender

Prokrasti-WAS? Also bitte nicht mit Promiskuität verwechseln! 😀 Prokrastination ist der Fachbegriff für das irrationale Verschieben von geplanten Aufgaben. Dazu zählen Prüfungen, das Lernen des Lernstoffs, sportliche Trainingseinheiten, die finale Studienwahl, wichtige Entscheidungen, Jobsuche und vieles mehr. Einen erwähnenswerten Leitartikel zur Prokrastination habe ich bereits hier verfasst. Darin kannst du auch lesen wie es zu dieser Aufschieberei kommt und was du dagegen tun kannst.

Mit anderen Worten: Vornehmen kannst du dir schnell etwas. Doch die Umsetzung trennt letzten Endes die Spreu vom Weizen. Vor allem die Stärkung deines Verantwortungsgefühls und deiner Willenskraft ist ein wichtiger Baustein um jemand zu werden, der Träume wahr werden lässt! 🙂

Deine Willenskraft kannst du hier trainieren.

 

5. Stärke Körper und Geist

Mario Schuster meditiert vor einem Berg in Sri LankaIch war selbst viele Jahre Student. Ich habe 5 Jahre Sport studiert und stehe nun kurz vor meinem Abschluss meines zweiten Studiums: Psychologie. In dieser Zeit habe ich niemals mentale Aufputschmittel zu mir genommen. Kaffee natürlich ausgenommen, weil den liebe ich einfach zu sehr!

Doch ich habe in dieser Zeit viele Geschichten auf Partys oder im Hörsaal kurz vor der Prüfung gehört. Ein Student hat mir einmal erzählt, dass er sich vor Prüfungen Red Bull in den Wasserbehälter der Kaffeemaschine leert. Dreimal darfst du nun raten was er vorhatte. Natürlich hat er seinen Energydrink durch den Kaffee gezogen und dann getrunken. Er blieb die ganze Nacht wach. Das ist jedoch noch harmlos gegenüber jenen Stories von StudentInnen, welche sich mentale Aufputschmittel (Psychopharmaka) reinwerfen. Zwar können diese kurzfristig mehr Lernstoff aufnehmen, doch langfristig zerstören sich diese ihren natürlichen Hormonhaushalt im Gehirn.

Umso wichtiger ist es, auf seinen Körper und seinen Geist zu achten. Frei nach dem Motto: „Ein gesunder Geist, wohnt in einem gesunden Körper!“. Also treib regelmäßig Sport und erlerne lieber mentale Techniken, mit welchen du dich auf natürlichen Weg selbst regulieren kannst. Um ein Beispiel aus eigener Erfahrung zu nennen. Vor meiner Prüfung in Neurobiologie im Jahr 2013 habe ich an einem Tag 14 Stunden (mein persönlichen Rekord für einen Tag) gelernt. Nach 8 Stunden war das Gehirn so voll, dass es sich anfühlte, es wäre mit Korken verstopft. 30 Minuten Joggen in Schönbrunn und 20 Minuten Meditation haben gereicht um mein Gehirn wieder aufnahmefähig zu machen. Also, Finger weg von den Drogen!!!

Abschließende Worte

Natürlich gibt es noch eine Vielzahl an weiteren Erkenntnissen die ich dir nun servieren könnte. Doch ich möchte deine Augen und Lesemotivation nicht gleich von Anfang an zu überfordern.

Daher interessiert mich besonders, wie dieser Beitrag nicht nur gefallen hat, sondern auch persönlich weiterhilft. Gibt es Themen die dich besonders interessieren würden? Wenn ja, dann schreib mir einfach eine Mail über das Kontaktformular oder einfach in das Kommentarfeld, um deine Interessensgebiete zukünftig noch besser abdecken zu können.

 

Autor: Mario Schuster

 

Verwendete Quellen:

[1] Hüther, G. (2014). Was wir sind und was wir sein könnten: Ein neurobiologischer Mutmacher. Frankfurt: Fischer.

[2] Mischel, W., Shoda, Y. & Rodriguez, M. (1989): Delay of gratification in children. In: Science. 244 (4907), S. 933-938.

[3] Csikszentmihalyi, M. (2013). FLOW. Das Geheimnis des Glücks. Stuttgart: Klett-Cotta.

[4] Steel, P. (2007). The nature of procrastination: A meta-analytic and theoretical review of quintessential self-regulatory failure. Psychological Bulletin, 133(1), 65-94.

 

 

 

 

 

 

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Mario Schuster

Mario Schuster ist Sportwissenschafter und zertifizierter Mentaltrainer im Leistungssport. Aktuell schreibt er seine Masterarbeit in Psychologie und hat am 1.Jänner 2017 das Unternehmen Mental Synergy gegründet. Mit diesem hat er sich zum Ziel gesetzt, das Training mentaler Kompetenzen in Sport und Wirtschaft zu etablieren.

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