Ausgrenzung: Mobbing mit Tarnkappe

Darf ich mitspielen? Wie stark der tatsächliche Zusammenhalt einer Gruppe ist, zeigt sich auch daran, wie die Gruppe einerseits miteinander umgeht und andererseits wie mit Anderen umgegangen wird. Haben es einige Gruppenmitglieder tatsächlich nötig körperliche oder psychische Formen von Gewalt bei anderen MitschülerInnen, ArbeitskollegInnen oder Andersgesinnten anzuwenden? Die Stärke einer Gruppe zeigt sich jedoch auch darin, wie sehr es eine Gruppe schafft andere Menschen in die Gruppe zu integrieren. Eine besonders perfide Form von Gewalt ist demgegenüber die bewusste Ausgrenzung von Menschen – und um diese Form von Mobbing geht es in diesem Beitrag.

 

Mobbing, was ist das?

Von Mobbing ist im Allgemeinen die Rede, wenn eine oder mehrere Personen über einen längeren Zeitraum verbale oder körperliche Angriffe auf einen Menschen durchführen. Die Gründe hierfür sind egoistischer Natur und beruhen auf der Tendenz zur Selbstbehauptung innerhalb einer Gruppe. Auf die möglichen Schäden beim Opfer wird hierbei kaum Rücksicht genommen. Wenn sich andere Gruppenmitglieder (Schulklasse, Arbeit, Gesellschaft) dann auch noch beteiligen, wird es für die betroffene Person besonders schwer. Doch gegen systematische verbale und physische Attacken kann man sich ja noch Aufbäumen und sich Unterstützung holen, da die „Beweislage“ des Mobbings offenkundig ist.

 

Zeitgenössisches Mobbing

Eine moderne Form von Mobbing (engl. „Bullying“) wird seit Web 2.0 als Cybermobbing bezeichnet. Diese Mobbing-Variante hat mit der rasanten Entwicklung der Digitalisierung stark zugenommen und die Täter sind dabei in einer Vielzahl der Fälle bekannt. Doch besonders schwierig wird es, wenn die Mobbing-TäterInnen anonym agieren. Hasspostings sind nur eine Variante von virtuellem Mobbing. Cybermobbing ist jedoch nicht der Schwerpunkt dieses Beitrages, weshalb ich gleich zum Punkt komme: In diesem Beitrag geht es um soziale Ausgrenzung als schwer durchschaubare Form von Mobbing.

 

Ausgrenzung: das verkappte Mobbing, wie perfide!

Bei sozialer Ausgrenzung (engl. „relational aggression“) wird es sehr schwierig die Mobbingaktivitäten in einer Schule, Verein oder Unternehmen zu entschärfen. Dies ist eine Form des Mobbings, welche häufig nicht thematisiert wird. Gefährlich wird es, wenn sich soziale Ausgrenzung in einem Unternehmen oder einer Arbeitsgruppe bereits in der Organisationskultur gefestigt hat. Diese Form des Mobbings ist vor allem für Opfer schwierig zu enttarnen, da die Täter „ja eh nichts getan haben“ und „ganz unschuldig sind“ und auch „nicht verstehen, wieso sich der Rudi so aufregt„. Letztendlich war es doch „nur Spaß„!

 

„Before you diagnose yourself with depression or low self-esteem, first make sure that you are not, in fact, just surrounded by assholes.“
(tatsächlicher Autor: @debihope (Twitter); und nicht Einstein oder Freud)

 

Relational aggression (deutsch: Beziehungsaggression) äußert sich in Verhaltensweisen – welche die Absicht haben – Beziehungen und Freundschaften zwischen Menschen oder das Zugehörigkeitsgefühl zur Gruppe zu beschädigen. In der Schule schließt relational aggression die Verhaltensweisen (1) wütende Vergeltung gegen ein Kind durch Ausschluss aus der Spielgruppe, (2) absichtlicher Entzug von Freundschaft oder Akzeptanz mit dem Ziel das Kind zu verletzen oder zu kontrollieren, sowie das (3) bewusste Verbreiten von Gerüchten mit dem Ziel, dass das Kind von den anderen Kindern aus der Gruppe ausgeschlossen wird.

Isolation Mobbing Ausgrenzung

Eine Unterform von dieser „Beziehungs-Aggression“ wird als soziale Aggression bezeichnet. Auch diese erfolgt eher subtil und äußert sich beispielsweise in Augen verdrehen, ignorantes Wegdrehen, Grimassen schneiden und nonverbale Gesten.

 

Ausgrenzung führt zu aggressivem Verhalten

Leider kommt es in der Praxis häufig vor, dass durch Ausgrenzung gemobbte ArbeitnehmerInnen gekündigt werden. Dies wird häufig mit einem aggressiven Verhalten der Betroffenen begründet. Blickt man jedoch hinter die psychologischen Kullissen, zeigt sich, dass diese Aggressionen auch ein Folgeschaden systematischer Ausgrenzung sein können. Eine Erklärung, weshalb Ausgrenzung zu aggressivem Verhalten seitens des Gemobbten führt, findest du in diesem Artikel über die neurobiologische Aggression durch soziale Ausgrenzung.

Solltest du dich selbst in solch einer Situation befinden, so empfehle ich dir die Mobbing-Beratungsstelle der Arbeiterkammer zu kontaktieren. Noch besser ist es natürlich, wenn Unternehmen, Schulen bzw. Sportvereine bereits im Vorfeld wirksame Präventionsmaßnahmen und Aufklärung gegen Mobbing setzen.

 

Möglichkeiten gegen soziale Ausgrenzung vorzugehen

Obwohl soziale Ausgrenzung in Organisationen schwieriger zu entschärfen ist als direkte Mobbingformen, gibt es dennoch eine Vielzahl an Möglichkeiten um die Situation zu verbessern. Auf die Komplexität sowie möglicher Ursachen von Aggression und sozialer Ausgrenzung gehe ich gerne in anderen Artikeln ein. Mit deiner Eintragung in den Newsletter wirst du auch entsprechend informiert, wenn es neue Artikel gibt.

Falls du bereits jetzt – oder überhaupt langfristig – professionelle Beratung für dich, dein Team, deinen Verein oder dein Unternehmen benötigst, so lade dich ein mich zu kontaktieren. Denn im persönlichen Dialog können wir wirklich auf die Essenz eingehen um gemeinsam Lösungsstrategien und Trainingsmaßnahmen gegen Mobbing zu entwickeln. Wichtig ist es vor allem die sozialen Kompetenzen von Gruppen sowie den Teamzusammenhalt zu stärken.

Team Zusammenhalt Hände

Weiterführende Literatur:

  • Bauer, J. (2011). Schmerzgrenze (1st ed.). München: Blessing.
  • Crick, N.R. & Grotpeter, J.K. (1995). Relational aggression, Gender, and Social-Psychological Adjustment. Child Development, 66, 710-722.
  • Nolting, H. (2011). Lernfall Aggression (1st ed.). Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.
  • Stassen Berger, K. (2007). Update on bullying at school: Science forgotten?. Developmental Review, 27(1), 90-126.
  • Underwood, M.K. (2004). III. Glares of Contempt, Eye Rolls of Disgust and Turning Away to Exclude: Non-Verbal Forms of Social Aggression among Girls. Feminism & Psychology, 14 (4), 371-375.
  • Zimmer-Gembeck, M., Geiger, T. & Crick, N. (2005). Relational and Physical aggression, Prosocial behavior, and Peer Relations: Gender Moderation and Bidirectional Associations. The Journal of Early Adolescence, 25(4), 421-452.

 

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Mario Schuster

Mario Schuster ist Arbeits- und Sportpsychologe sowie zertifizierter Mentaltrainer im Leistungssport. Zudem ist er ein praxiserfahrener Sportwissenschafter und hat am 1.Jänner 2017 das Unternehmen Mental Synergy gegründet. Mit diesem hat er sich zum Ziel gesetzt, das Training mentaler Kompetenzen in Sport und Wirtschaft zu etablieren.

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