Kann die positive Psychologie einen Beitrag für Lehrkräfte und Angestellte an Schulen leisten?

Das Image der Psychologie ist historisch betrachtet eher an Krankheiten orientiert. Doch seit einiger Zeit gibt es eine wissenschaftliche Strömung, welche sich mit den positiven Aspekten des Lebens und der persönlichen Weiterentwicklung widmet: die Positive Psychologie. In folgendem Beitrag erörtere anhand einer australischen Studie die Bedeutung dessen, dass es den LehrerInnen und Angestellten an Schulen gut geht. Doch dabei geht es wie sich zeigen wird nicht nur um das Wohlbefinden selbst.

 

Was hat die positive Psychologie mit der Schule zu tun?

Zugegeben, die Positive Psychologie ist eine relativ junge Wissenschaft. Dennoch wächst die Anzahl wissenschaftlich hochwertiger Studien in diesem jungen Sektor rasant. Entstanden ist die Idee einer „Positiven Psychologie“ aus dem Gedanken heraus, dass sich die Psychologie nicht nur Störungen und Defiziten menschlichen Erlebens, Denkens und Verhaltens widmen sollte. Denn während die klinische Psychologie im Allgemeinen an Defiziten des Menschen forscht, basiert der Ansatz der positiven Psychologie im „Aufblühen menschlichen Potentials„. Wenn es eben eine dunkle Seite der Psychologie gibt, so muss es doch auch eine lichtere Seite geben, die uns allen ermöglicht ein „erfüllteres Leben“ zu führen. Ein Vorreiter und Pionier dieser Strömung ist der US-Psychologe Seligman.

Doch um diesen soll es in diesem Beitrag nicht gehen. Vielmehr geht es um eine australische Studie die auf Seligman´s grundlegenden Modell der positiven Psychologie (PERMA) basiert. PERMA ist ein Akronym, welches für Positive Emotionen, Engagement, Beziehungen, Sinnhaftigkeit und subjektiver Zielerreichung stehen.

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Grafik: Ein Basismodell der positiven Psychologie wird als „PERMA“ bezeichnet und steht für Positive Emotionen, Engagement, Beziehungen, Sinnhaftigkeit und subjektiver Zielerreichung.

 

Das Forschungsteam um Margaret Kern [1] untersuchte dabei in einer Studie an 151 Schulangestellten (davon 60% Lehrkräfte) einer australischen Schule in Adelaide den Einfluss positiv-psychologischer Wirkfaktoren (Wohlbefinden) auf die körperliche Gesundheit, die Jobzufriedenheit, die Lebenszufriedenheit und die Bindung an die Organisation (also in diesem Fall an die Bindung an die Schule).

 

Welchen Einfluss hat die positive Psychologie nun auf Schulen?

Das Ergebnis der Studie zeigt, dass die positive Psychologie einen wesentlichen Beitrag für eine „bessere Schule“ liefern kann. Die Ergebnisse sind relativ komplex, doch zeigen sehr konkret die Vielzahl an positiven Auswirkungen auf die Lehrkräfte und das Unterstützungpersonal (z.B. IT, Administation, Catering) im „System Schule“.

So zeigt sich zum Beispiel, dass sich ein hohes Engagement und gute Beziehungen der Lehrkräfte (und weiteren Angestellten) einen günstigen Einfluss auf die Jobzufriedenheit und die Identifikation/Bindung an die Schule hat.

Doch spannend an diesem Studienergebnis ist nicht nur, dass positive Emotionen, erreichte Ziele sowie ein Erkennen des Sinnhaftigkeit des Berufs einen starken Einfluss auf die Lebenszufriedenheit, sondern auch einen bedeutende Auswirkung auf die körperliche Gesundheit und die Vitalität der Lehrkräfte hat.

 

Die positive Psychologie in der Schule

Die Studie zeigt, dass die positive Psychologie einen wesentlichen Beitrag zur Zufriedenheit – als auch der körperlichen Gesundheit – an Schulen für Lehrkräfte leisten kann. Selbige Studie zeigt auch, dass negative Emotionen einen sehr negativen Einfluss auf die Potentialentfaltung und die körperliche Gesundheit der Lehrkräfte hat. Also dies sind mehr als zwei gute Gründe um Lehrkräfte in dieser Hinsicht zu fördern – zum einen durch eine Berücksichtigung dessen in der LehrerInnenausbildung, und zum anderen für eine gezielte bildungspolitische Förderung von positiv-psychologischen Trainingsmaßnahmen. Immerhin sind Schulen nicht nur jener Ort, an welchem viele LehrerInnen und Kinder viel Zeit verbringen, sondern auch die nächsten Generationen für unsere Zukunft ausgebildet werden sollen.

 

Autor: Mario Schuster

 

Verwendete Literatur:

[1] Kern, M., Waters, L., Adler, A., & White, M. (2014). Assessing Employee Wellbeing in Schools Using a Multifaceted Approach: Associations with Physical Health, Life Satisfaction, and Professional Thriving. Psychology, 05(06), 500-513.

 

 

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Mario Schuster

Mario Schuster ist Arbeits- und Sportpsychologe sowie zertifizierter Mentaltrainer im Leistungssport. Zudem ist er ein praxiserfahrener Sportwissenschafter und hat am 1.Jänner 2017 das Unternehmen Mental Synergy gegründet. Mit diesem hat er sich zum Ziel gesetzt, das Training mentaler Kompetenzen in Sport und Wirtschaft zu etablieren.

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