Fünf starke Tipps wie du Hassposter im Netz wirksam begegnest!

Im Anfang war Facebook eine Plattform des sozialen Austauschs. Doch das hat sich geändert! Vor allem in den vergangenen zwei Jahren mutierte Facebook zu einem Wildwuchs digitaler Aggression. Wir sind im scheinbar „postfaktischen Zeitalter“ angelangt. Einbetonierte Weltbilder weichen zunehmend der Sachlichkeit und persönliche Angriffe bei Meinungsabweichungen sind an der Tagesordnung. Hassposter und Trolle haben sich im Internet wie eine Seuche ausgebreitet. Folgend behandelt dieser Artikel 5 wertvolle Tipps, welche auf psychologischen Prinzipien aufbauen: Mit mentaler Bildung können Polarisierung und sachentfremdete Hassposter besänftigt werden.

 

Wie entstehen Hassposter im postfaktischen Zeitalter?

Wofür steht eigentlich „postfaktisches Zeitalter“? Was wir glauben, wird als wahres Faktum empfunden. Meinungen und Fakten, welche von unserem Weltbild abweichen, werden als Bedrohung für das eigene mentale Weltkonzept wahrgenommen. Entsprechend stellen Hassposter auf Angriff. Denn die eigene Meinung als falsch zu erkennen, schadet dem Selbstbild und dem innewohnenden Narzissmus. Ein Fehlurteil einzugestehen kommt folglich gar nicht in Frage. Zu sehr hängt die Göttlichkeit der eigenen Meinung am Drahtseil. Und dieses Damoklesschwert der faktenbasierten Realität gilt es mit allen Mitteln zu bekämpfen

Qualitätsmedien, hart arbeitender Journalismus als auch wissenschaftliche Erkenntnisse werden in verschwörerischer Manier als politisch gelenkt (sog. „Lügenpresse) dargestellt. Vor allem dann, wenn die Fakten nicht die eigene festeingefahrene Meinung spiegeln. Vielmehr tendieren Menschen dazu jene Medien und Artikel zu lesen, zu liken und zu teilen, welche ihre bisherige Meinung und Ideologie wiederspiegeln. Doch es kommt noch schlimmer, denn das vorherrschende Weltbild wird ungeachtet der Faktenlage sogar noch verstärkt bis die eigene Meinung verhärtet wie Beton. Der Hassposter fühlt sich im Recht, auch wenn er faktisch komplett daneben liegt:

 

„Alle Katzen sind sterblich. Auch Sokrates ist sterblich. Also ist Sokrates ein Kater.“

Mario über die Hartnäckigkeit der Irrwege falscher Schlussfolgerungen

 

#1: Den Hassposter ignorieren

Das ist auch zugleich mein favorisierter Tipp. Wenn mal wieder jemand in einem Politthread wild um sich schlägt und hinter dem Schutz der Schein-Anonymität beleidigt, diffamiert oder soziale Minderheiten ausgrenzt, dann ist dies in der Regel eine Einladung zu einer konstruktiven Argumentation. Doch schnell wirst du merken, dass der Hassposter gegen Fakten immun ist. Er bewertet nur jene Postings positiv, welche seine feste Meinung ohnehin nur weiter bekräftigen. Dieses gruppendynamische – ja sogar massenpsychologische Phänomen wurde letztlich auch durch den überarbeiteten FB-Algorithmus verstärkt, da der Hassposter primär die Artikel und  Posts von anderen Hasspostern  im eigenen Newsfeed zu Gesicht bekommt.

Mein Vorschlag dazu: Ignorieren! Entzieh ihm die heiß ersehnte Aufmerksamkeit und nimm ihm die Möglichkeit seine vorurteilsgeladene Meinung über konstruktiv denkende „Gutmenschen“! (Pers. Anmerkung: Gutmenschen ist meiner Meinung nach ein Unwort welches seinesgleichen sucht, welches mich an George Orwell´sche Massenmanipulation á la 1984 erinnert. Stichwort: Neusprech)

Bedenke auch, dass du mit jedem deiner Posts und Kommentare von einem Hassposter, Internettrollen oder Fake-Profilen die Reichweite und die Relevanz des Posts auf sozialen Netzwerken erhöhst. Indirekt hilfst du ihm sogar damit. Entziehst du dem Hassposter jedoch die Aufmerksamkeit, so verlieren aggressive Beiträge auch ihre Wirkung.

 

#2: Auflösung faktloser Behauptungen den Hassposters

Achtung! Dabei kann es passieren, dass der Hassposter das Weite sucht! Stell ihm naive Verständnisfragen und fordere ihn dabei indirekt auf, konkret zu werden und auch ins Detail zu gehen. Hier findest ein paar mögliche Beispielfragen:

  • Wie stellst du dir vor wie das konkret umgesetzt werden soll?
  • Was verstehst du unter Lügenpresse? (Hier ist wiederum eine pauschale Antwort zu erwarten. Daher –> auf dessen Antwort ein zweites Mal eine Verständnisfrage stellen um ihn weiter zur Konkretisierung seiner eigenen Antwort zu bringen)
  • Du meinst, ALLE die gegen Massenabschiebung sind, sind „naive Deppen“? ALLLEEEEE???
  • Wie sieht das in deinen Augen aus, wenn Österreich „untergeht“?

Bei dieser Art von Fragen forderst du den Hassposter auf, aus seinem emotionalen Versteck hervorzukriechen um seine Allerweltsforderungen auch rational zu rechtfertigen. Bei äußerst blödsinnigen Kommentaren, sollte er schnell merken, dass er womöglich gar keine Antworten auf deine Fragen hat. Es richtet sich sozusagen von selbst.

 

#3: Lass die Hassposter unter sich

Ähnlich wie beim Ignorieren, doch diesmal aus einem anderen Grund. Wenn die Hassposter in den Hassthreads keine „linkslinken Gutmenschen“ oder „Systemsoldaten“ mehr gemeinsam verbal attackieren, runtermachen oder diffamieren können, dann wird ihnen schnell langweilig. Da sich die Hassposter jedoch liebend gerne in ihrer Negativität baden und gerne das Alphamännchen oder Alphaweiblein spielen, suchen sie sie sich den gemäßigtsten und weltoffensten Hassposter um gegen seine „linken Ansichten“ zu argumentieren. Sozusagen den linken Rechten oder rechten Linken!

Das Opfer wird sehr schnell die Radikalität in diesem Thread erkennen und sich nach den „linkslinken Gutmenschen“ oder der politischen Mitte und Vernunft zurücksehnen. Herzlich willkommen im Land der Gruppendynamik!

 

#4: Bleib cool!

Auch wenn du glaubst, du hättest die Weisheit mit dem Schöpflöffel gefressen, brauchst du dem Hassposter nicht deine Meinung aufdrücken. Denn dieser wird sowieso nur reaktant (kindliches Abwehrschema) reagieren. Hinter den negativen Postings stecken häufig Emotion und Frustration. Auch wenn du nun einen auf Oberschlau machst, wirst du mit deinen Argumenten nicht ankommen.SchachbrettDa du ja der festen Überzeugung bist im Recht zu sein, kann es passieren, dass du selbst emotional wirst nach dem Motto: „Wie kann man nur solch dummen Blödsinn verzapfen!“ und bestätigst nur das Vorurteil deines Gegenübers. Deine Argumentationslinien werden folgend konkreter und mit Fakten belegt. Der Hassposter geht darauf gar nicht ein, sondern wiederholt seine Meinung nur noch wie ein Papagei, und gibt vor der Sieger in der Diskussion zu sein. Dabei fühlt er sich durch andere Hassposter bestätigt, welche ihm ungeachtet der Fakten den Rücken stärken. So startet die Irrationalität der Massenpsychologie!

Dabei geht es dir ja gar nicht ums Gewinnen, sondern um eine sachlich geführte Diskussion. Dass du bereits in der Emotion gefangen bist, kannst du evtl. dadurch feststellen, dass deine Argumentationsposts immer länger werden.

Also durchschnaufen und die anderen Tipps beachten!

 

#5: Höre zwischen den Zeilen!

Wie bereits erwähnt, hinter den Kommentaren der Hassposter stecken oft viel Emotionen und Frustration, welche der Poster oft gar nicht bemerkt. Nicht jeder ist so cool und sozial behütet wie du. Manche haben einfach einen harten Job der Ihnen alles abverlangt, bekommen zu wenig Anerkennung, finden das Leben unfair oder haben einfach Ängste die gehört werden wollen!

Es kann dir – als auch dem Hassposter ein kleines Stück weiterhelfen – wenn du den Grund für all den Hass kennen würdest. Doch Achtung: Verlier dich NICHT in der Rolle des Therapeuten!!!!

Der Hintergrund für Hass und diesen Frust können unter anderem sein, dass sich dieser Mensch von der Gesellschaft oder allgemein Menschen in seinen Sorgen und Ängsten allein gelassen fühlt. Näheres darüber, weshalb soziale Ausgrenzung Hauptursache für (globale) Aggression ist, findest du hier.

 

Ich habe den Artikel geschrieben, da ich die Thematik auch als gesellschaftlich relevant betrachte. Stark sind wir nur gemeinsam, nicht gespalten. Darum freut es mich, dass du diesen Artikel bis zum Ende gelesen hast. Damit der Artikel im Rauschen des Interents nicht untergeht, würde ich mich freuen, wenn du diesen mit anderen teilst.

 

Hast du auch Erfahrungen mit Hasspostern gemacht? Wenn ja, dann kannst du diese Erfahrungen nun im Kommentarfeld mit anderen teilen. Vielleicht ist ja auch der eine oder andere neue Tipp für die LeserInnen dabei. 🙂

 

 

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Mario Schuster

Mario Schuster ist Arbeits- und Sportpsychologe sowie zertifizierter Mentaltrainer im Leistungssport. Zudem ist er ein praxiserfahrener Sportwissenschafter und hat am 1.Jänner 2017 das Unternehmen Mental Synergy gegründet. Mit diesem hat er sich zum Ziel gesetzt, das Training mentaler Kompetenzen in Sport und Wirtschaft zu etablieren.

Ein Gedanke zu „Fünf starke Tipps wie du Hassposter im Netz wirksam begegnest!

  • 23. Oktober 2017 um 15:54
    Permalink

    Liebe Runa,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich respektiere Ihre Offenheit und möchte auf Ihren Kommentar in sehr wesentlichen Punkten eingehen. In einigen Punkten kann ich Ihre Sichtweise bedingt nachvollziehen, doch in einigen Punkten muss ich Ihre Kritik auch inhaltlich zurückweisen, da diese inhaltlich nicht haltbar ist.

    Zunächst wäre es auch ein Zeichen von Respekt und im Sinne der Transparenz, wenn Sie Ihre Identität preisgegeben hätten, da es stets einfach ist im Mantel der Anonymität wild um sich zu schlagen. Das ist auch etwas was sog. Hassposter bevorzugen. Anonymität ist natürlich ihr gutes Recht, doch die Anonymität befeuert auch die Tendenz seinen / Ihren Emotionen freien Lauf zu lassen.

    1) Ich nehme an sie haben Einzelbeispiele herangezogen, um meinen Artikel in Bezug auf die Seitigkeit zu verallgemeinern und zu verunglimpflichen. Hier möchte ich Sie darauf hinweisen, dass sich die Inhalte auf Hasspostings beziehen und ich habe ebenfalls, ich zitiere „…Sozusagen den linken Rechten oder rechten Linken…“ beide extremseiten angesprochen. Ich empfehle Ihnen den Artikel in einer ruhigen Minute nochmals zu lesen.

    2) Die Neutralität des Artikels ergibt sich durch seine Sachlichkeit. Dass Sie sich bei ausgewählten Einzelbeispieln persönlich angegriffen fühlen, war nicht meine persönliche Absicht.

    3) Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass ich nicht in einem therapeutischen Beruf tätig bin wie Sie anmerken. Diese Annahme ist schlichtweg falsch. Therapeut ist nicht das selbe wie Psychologe oder Psychiater, dies sind 3 ganz unterschiedliche Berufsbilder.

    4) Zurecht sind pauschale Beschimpfungen wie „Nazi“ häufig zu unrecht. Googlen Sie bitte „Goodwin’s law“, dann erfahren Sie worauf sich dies bezieht. Nichtsdestotrotz sind nationalsozialistische und rassistische Tendenzen in ganz Europa beobachtbar und auch in Regionen sehr stark, in welchem der Migrationsanteil doch eher gering ist.

    5) Die Schimpfwörter welche Sie vorhin ausgewählt haben: Versuchen Sie die 5 Tipps zu verinnerlichen und auch anzuwenden.

    Scheinbar habe ich mit meiner Argumentation den einen oder anderen Nerv bei Ihnen getroffen. Vielleicht sollten Sie doch nochmal den Artikel lesen, die Quintisenz daraus ableiten und auch nocheimal innegehen. Wie in Punkt 5 erwähnt ist dieses Thema (wie beispielsweise von Ihnen mit „Massengrenzenverletzungen“ erwähnt) ein hochemotionales. Da ich jedoch therapeutisch nicht tätig bin (wie sie fälschlicherweise angenommen haben), kann Ihnen bei dieser Art von Belastung nicht persönlich weiterhelfen.

    mit besten Grüßen,

    Mario

    Antwort

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