Stress zur Weihnachtszeit: Sechs Tipps aus der Psychologie um die Weihnachtszeit mehr zu genießen!

Die vorweihnachtliche Zeit beginnt. Und damit verbunden der vorweihnachtliche Wahnsinn. Auf der Einen Seite Sinnlichkeit und Verbundenheit und auf der anderen Seite steigender Stress und die drohende emotionale Erschöpfung. Mit welcher Haltung du die Weihnachtszeit angehst, beeinflusst auch wie du diese Zeit erleben wirst. Mit ein paar Tipps & Tricks aus psychologischer Sicht, möchte ich deine Weihnachtszeit ein klitzeklein wenig verbessern.  

 

Ein Idol namens „Christkind“

Traditionell feiern wir in Mitteleuropa seit Jahrhunderten Weihnachten und das Kinderidol namens „Christkind“ bringt die Geschenke. Das Weihnachtsfest ist traditionell ein Familienbrauch in dem wir die Werte der Familie und des Miteinanders feiern wollen. Das gegenseitige Beschenken ist dabei ein Ausdruck des Gebens. Doch die Realität der Weihnachtszeit sieht häufig auch gegenteilig aus:

Die Weihnachtszeit hat auch ihre Schattenseiten. Spätestens seit der Kommerzialisierung des Weihnachtsfests durch Coca  Cola und den Weihnachtsmann ist dieses Fest auch ein mächtiger Wirtschaftsfaktor der BEINAHE ALLE in den Bann des Konsumwahns zieht. Werte des Miteinanders verlieren an Bedeutung, während der Wettlauf um das beste Geschenk zunimmt und den Segen der Weihnachszeit gefährdet.

Und weil heute der 1. Advent ist und wir noch die nächsten vier Wochen Weihnachten genießen wollen, habe ich dir fünf mentale Tipps und Hintergründe ausgearbeitet, wie du die Weihnachtszeit relaxt zu einem besonderen Erlebnis machen kannst:

 

1) Es wird ganz schön finster in der Weihnachtszeit!

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Dunkel wird es im Dezember ganz schnell. Wenn du Vollzeit arbeitest kennst du dieses Problem sicher bestens: frühmorgens ist es dunkel, am späten Nachmittag nach der Arbeit ist es dunkel. Die Tageslichtzeiten sind besonders kurz und auch Adventlichter können dieses Sonnenlichtmangel nicht kompensieren. Dadurch nimmt die körpereigene Vitamin-D-Produktion stark ab und der Körper bildet mehr vom „Schlafhormon“ Melatonin. Gleichzeitig nimmt dein „Stimmungshormon“ Serotonin ab. Stimmungstiefs und dauerhafte Müdigkeit sind die Folge. Über klassische Ernährung kannst du diesen Mangel nicht ausgleichen – auch wenn du kiloweise Fisch runterwürgst. Umso wirksamer ist Sonnenlicht: Darum nutze deine Freizeit um raus in die Natur zu gehen, solange es noch hell ist. Bereits 15 Minuten Sonne pro Tag reichen aus um deine Stimmung wieder anzukurbeln.

 

2)Du wirst dünnhäutig!weihnachten-baer-pb

Jedes Jahr dieselbe Leier: Im Sommer ist die Stimmung tiptop und zur kalten dunklen Jahreszeit steigt das Konfliktpotential. Durch den steigenden vorweihnachtlichen, akademischen oder beruflichen Stress werden auch wertvolle mentale Ressourcen aufgebraucht. Stimmungstiefs und Gereiztheit – bei für gewöhnlich harmlosen Aussagen oder Situationen – sind auf mentale oder emotionale Erschöpfung [1,2,4,5] zurückzuführen. Das Stärken deiner mentalen Ressourcen ist daher vor allem in der Weihnachtszeit von großer Bedeutung um diese sehr leiwaunde Zeit auch genießen zu können. Entspannungsmethoden sind hierbei besonders effektiv und erlernbar.

 

 

3) Teurer Kitsch und Schrott durch den geistigen Overload!

stress-overload-pbSo schön die Weihnachtszeit auch ist, so sehr spitzen sich berufliche und akademische Deadlines immer mehr zu. Das Risiko Prokrastination (=“Aufschieberitis) zu erleiden nimmt stark zu. Die Einen müssen die Jahresbilanz noch rechtzeitig fertigstellen, die anderen hetzen von einer Prüfung zur nächsten. Dicht gestaffelt möchtest du dann noch möglichst viele deiner LangzeitfreundInnen treffen, und das am besten noch neben den vielen Weihnachtsfeiern. Die Marketingbranche freut sich auch besonders, denn zu dieser Zeit, sind die Werbekampagnen besonders aktiv. Und damit verbunden wird dein Hirn endgültig mit Informationen vollgestopft.

Deine Fähigkeit Informationen zu verarbeiten sind über kurze Zeit begrenzt. Der vorweihnachtliche Stress hat einen mentalen Overload [2] zur Folge, wodurch du deine Entscheidungen aus dem Impuls heraus triffst. Sei dir also dessen bewusst, wie sich Weihnachten auf dein Kaufverhalten [3] und damit auch auf dein Geldbörserl auswirkt.

Du kannst es dieses Jahr auch anders machen und dem Shoppingwahn entgehen und stattdessen in friedvoller Stimmung ein kunstvolles Geschenk für deine Liebste anfertigen. Ein Bild malen, einen Song komponieren, eine Platte (CD) anfertigen oder wenn du handwerklich begabt bist etwas aus Holz schnitzen. Was deiner Liebsten am besten gefallen könnte, musst du jedoch selbst für dich entscheiden. 😉

4) Kauf die Weihnachtsgeschenke früher als gewohnt!

Zugegeben, das eine oder andere Jahr nehme ich mir vor, die Weihnachtsgeschenke im nächsten Jahr schon im November zu besorgen, nur um mir diesen Vorsatz im folgenden Weihnachtsjahr wieder zu setzen. „Die Aufschieberitis-Forschung“ beschreibt dieses Phänomen mit: „… a similar reason why people shopped late for Christmas: They disliked shopping.“ [6] Kennst du noch jemandem dem es so ergeht?

Ein weiterer Vorteil des frühen Geschenke Entscheidens ist, dass das Geschenk im Falle einer Online-Bestellung auch noch vor Weihnachten ankommt. Bei manchen Versandshäusern sind sieben Tage vorher viel zu spät. Und auch Expressbestellungen können zur Weihnachszeit sehr teuer ausfallen: eine Garantie, dass das Geschenk dann rechtzeitig ankommt gibt es bei Expressbestellungen nicht.

Doch eine Weihnachtsgeschenke-Strategie hat sich bei mir schon immer bewährt: In einer stillen Minute (oder Stündchen) setze ich mich vor ein leeres Blatt Papier und notiere die Namen derer, die beschenkt werden sollen. Danach gehe ich tief in mich und überlege mir BEWUSST, was ich diesem Menschen in diesem Jahr schenken möchte (und dann gehe ich kurz in den Laden und gleich wieder raus). Ob sich das gegenüber über mein Geschenk freut, kann ich nicht garantieren. Doch ich kann meine Entscheidung auf Grundlage der Interessen und Bedürfnisse meiner Mitmenschen treffen. Ein Grund mehr, mit deinen Liebsten viel Zeit zu verbringen. 😉

 

5) Die Lichtseiten sehen!kerze_pb

Bei all den Nebenwirkungen, Konsumwahn und dem steigenden Stresspegel hat die Weihnachtszeit auch so seine Lichtseite, die du dir stets vor Augen halten solltest. Die positive Psychologie lehrt uns, dass der westliche Mensch dazu neigt, sehr viel Aufmerksamkeit den negativen Gedanken zu widmen, obwohl es tagtäglich wunderbare Momente gibt. Ich für meinen Teil genieße das tolle Socializing durch die vielen Weihnachtsfeiern und auf den Weihnachtsmärkten die eine oder andere Getränkeverkostung mit Freunden zu verbringen. Es ist eine Zeit des Miteinanders und der Besinnung und darauf sollten wir unsere Aufmerksamkeit richten.

 

6) Ein guter Grund zu Feiern: Menschen!

Auch wenn es die Industrie des vergangenen Jahrhunderts anders gesehen hat: Der Mensch ist KEIN rationales Tier („homo oeconomicus“). Vielmehr hat sich glücklicherweise das Bild des „social (complex) men“ durchgesetzt; dies bedeutet, der Mensch ist ein komplexes soziales Wesen. Der Mensch ist nicht nur auf soziale Anerkennung, sondern auf qualitativ hochwertige Beziehungen angewiesen. Und diese gilt es zu pflegen.

Die Weihnachstzeit ist somit aus sozio-kultureller Sicht sehr wertvolle Tradition: Weihnachtsfeiern, Weihnachtsmärkte, berufliche Vernetzungs-Feiern und familiäre Zusammenkünfte. Die Psychologie lehrt uns, dass soziale Beziehungen und soziale Unterstützung nicht nur Freude bereiten können, sondern auch ein wichtiger psychologischer Schutzfaktor sind. Also investiere in deine Mitmenschen, nicht erst wenn du sie brauchst – unterstütze sie laufend.

Tipp: Geh mit drei Menschen (zu drei Terminen) auf den Weihnachtsmarkt, mit denen du schon länger nichts mehr unternommen hast. Mach diese Übung jetzt, schreib dir eine Liste und ruf (oder schreibe) diese Menschen SPONTAN an!

Bedenke beim Feiern, dass ein Übermaß an Alkohol auch deine Regenerationszeit stark verzögert. Um also stressfrei durch die Weihnachszeit zu kommen, ist es bedeutsam auch in dieser Zeit auf deine mentalen Ressourcen zu achten: Menschen, gute Gespräche und die Kleinigkeiten der Weihnachtszeit können eine tolle Bereicherung und mentale Ressource für dich sein.

Weihnachtszeit Christkindlmarkt

 

Als kleine Übung zum Abschluss: Nimm dir ein leeres Blatt Papier und beantworte folgende vier Fragen für dich:

(1) Welches positive Erlebnis verbinde ich besonders stark mit Weihnachten?

(2) Welche Menschen treffe ich zur Weihnachtszeit häufiger, als im restlichen Jahr?

(3) Was gefällt mir am Beschenken meiner Mitmenschen besonders?

(4) Welchen Beitrag möchte ich in diesem Jahr an meine Mitmenschen leisten um Ihnen die Weihnachtszeit schöner zu gestalten?

 

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Schreibe in das Kommentarfeld: Wie kannst du zur Weihnachszeit die Welt zu einem besseren Ort machen?

 

Verwendete Literatur:

[1] Baumeister, R., Bratslavsky, E., Muraven, M., & Tice, D. (1998). Ego depletion: Is the active self a limited resource? Journal Of Personality And Social Psychology, 74(5), 1252-1265.

[2] Hagger, M., Wood, C., Stiff, C., & Chatzisarantis, N. (2010). Ego depletion and the strength model of self-control: A meta-analysis. Psychological Bulletin, 136(4), 495-525.

[3] Hofmann, W., Friese, M. & Strack, F. (2009). Impulse and Self-Control From a Dual-Systems Perspective. Perspectives On Psychological Science, 4(2), 162-176.

[4] Maslach, C., Schaufeli, W.B. & Leitner, M. (2001). Job burnout. Annual Review of Psychology, 52, 397-422.

[5] Muraven, M. & Baumeister, R. (2000). Self-regulation and depletion of limited resources: Does self control resemble a muscle?. Psychological Bulletin, 126(2), 247-259.

[6] Steel, P. (2007). The nature of procrastination: A meta-analytic and theoretical review of quintessential self-regulatory failure. Psychological Bulletin, 133(1), 65-94.

 

 

 

 

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Mario Schuster

Mario Schuster ist Arbeits- und Sportpsychologe sowie zertifizierter Mentaltrainer im Leistungssport. Zudem ist er ein praxiserfahrener Sportwissenschafter und hat am 1.Jänner 2017 das Unternehmen Mental Synergy gegründet. Mit diesem hat er sich zum Ziel gesetzt, das Training mentaler Kompetenzen in Sport und Wirtschaft zu etablieren.

2 Gedanken zu „Stress zur Weihnachtszeit: Sechs Tipps aus der Psychologie um die Weihnachtszeit mehr zu genießen!

  • 1. Dezember 2016 um 20:03
    Permalink

    Liebe Melanie,

    herzlichen Dank für deinen Beitrag. Du triffst es auch sehr schön auf den Punkt. Mein persönliches Anliegen ist es Beiträge zu verfassen, welche klar verständlich, und dennoch wissenschaftlich fundiert sind. Du hast übrigens auch eine sehr schöne und symphatische Seite. 🙂

    Liebe Grüße,

    Mario

    Antwort

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